
Die Mehrheit für Macron ist deutlicher als erwartet ausgefallen. Im ersten Wahlgang haben die Franzosen nach politischer Präferenz abgestimmt. Im zweiten Wahlgang eher nach staatsbürgerlicher Vernunft.
Die Motive für das Abstimmungsverhalten der Wähler beider Kandidaten sind nicht monolithisch. Am Ende zählt aber nun das Ergebnis. Viele Franzosen haben Macron als das kleinere Übel gewählt und weil sie eine Rechtspopulistin als Präsidentin verhindern wollten. Gut so, daß mit Macron weiterhin ein "Europäer" an der Spitze Frankreichs steht und der auch zu europäischen Werten steht.
Die Präsidentschaftswahl in Frankreich hat Amtsinhaber Macron zwar gewonnen - ein Triumph ist es für ihn aber nicht, denn das Land ist tief gespalten. Macron ist nach der Denkzettelwahl nun ein Präsident auf Bewährung. Wenn Macron nicht liefert, droht ihm schon bald der nächste Denkzettel. Die Zeit bis zu den Parlamentswahlen wird angespannt. Macron muss seine Versprechen einlösen und liefern. Sonst bekommt er im Juni einen Denkzettel.
Das ist gerade nochmal gutgegangen. Bei aller Euphorie über den Wahlsieg Macrons darf man nicht vergessen, daß Frankreich ein tief gespaltenes Land ist, was diese Wahl auch deutlich gezeigt hat. Frau Le Pen hat bei der Wahl deutlich zugelegt.
Marine Le Pen ist das Relikt eines überkommenen Jahrhunderts. Eine Präsidentin Le Pen hätte Frankreich in die finsteren Zeiten des Nationalismus des vorigen Jahrhunderts zurückgeworfen. Sie hätte die europäische Kooperation in Blockade umgewandelt und Krisen ausgelöst, welche Europa schwer geschadet hätten. Le Pen hätte Frankreich vor eine Zerreißprobe gestellt, mit ungewissen Ausgang.
Für die Nato und die EU hätte es eine ungeahnte Schwächung bedeutet, eine Schwächung, die vor allem die Franzosen schmerzlich erfahren hätten. Frankreichs Stärke resultiert aus der EU, nicht von seinen Atomwaffen.
Das Ergebnis dieser Wahl läßt sich recht einfach zusammenfassen:
Die Bevölkerung von Frankreich hat bei der Wahl dem Amtsinhaber Emmanuel Macron das Vertrauen geschenkt und wiedergewählt, weil für die Präsidentenwahl kein geeigneterer Kandidat zur Verfügung gestanden hat, der den Menschen mehr soziale Gerechtigkeit und eine sozialere Gesellschaft versprochen hätte, und weil sie keine Rechtpopulistin wie Marine Le Pen, welche jedoch in der Wählergunst stark aufgeholt hat, an der Macht sehen und mit ihrer Wählerstimme verhindern wollten.
Macron muss nun den Spagat hinbekommen, einerseits die EU-Interessen zu befriedigen und anderseits die eigenen Bürgerinnen und Bürger nicht zu verprellen. Das Problem in Frankreich ist, daß diese Interessen vielfach diametral in der Zielrichtung auseinanderliegen. Während beispielsweise Asselborn ununterbrochen illegale Migranten in die EU hereinwinken möchte, verkommen viele französischen Städte mittlerweile zu Ghettos und sozialen Brennpunkten und vielen Franzosen haben genug.
Macron hat es bisher nicht geschafft die illegale Migration in den Griff zu bekommen und dies ist natürlich eine politische Steilvorlage für Le Pen. Macron möchte den Sozialleistungen und der Rente kürzen, was im Sinne der EU gut ist, weil Frankreich dann eher finanztechnisch in das EU-Fahrwasser kommt. Viele Bürger möchten aber keine diesbezüglichen Einschnitte und finden mit Le Pen eine Fürsprecherin.
Doch damit nicht genug, denn die drei rechten Strömungen wollen sich nun für die Parlamentswahl vereinen und wenn diese Koalition erfolgreich sein sollte, wird Macron künftig der Hebel für die Umsetzung seiner Vorstellungen fehlen, oder dieser wird begrenzt werden. Es ist eine gekaufte Zeit für Macron und er wird bei seinem Tun immer den Atem von Le Pen im Nacken verspüren.
Es wird wohl darauf ankommen, ob es ihm gelingt, soziale Belange und Wirtschaftsinteressen positiv zu verbinden. Aber dazu ist er auch auf die Hilfe der Wirtschaftsbosse angewiesen und ob für diese der soziale Frieden in einem Land genügend Bedeutung hat, ist zu bezweifeln. Wenn es irgendwo "mulmig" wird, wird die Firma stillgelegt und das Geld anderswo angelegt. Das machen mittlerweile sogar Mittelstandsbetriebe, nicht nur die großen Konzerne.
Macron ist in seiner zweiten Amtszeit ein Präsident auf Bewährung. Er hat eine große Aufgabe vor sich, das tief gespaltene Land wieder zu vereinen. - Bonne chance!
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