Es ist im Ukraine-Konflikt wie immer im Krieg: ein militärisch ins Stocken geratener Krieg entwickelt seine eigene vernichtende Dynamik, die vor Zivilisten keinen Halt macht und immer mehr unschuldige Opfer fordert. Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Stadt Butscha bei Kiew hat die ukrainische Seite Moskau Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung vorgeworfen. Nach den Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha werden die Leichen gezählt und geborgen.
Die russische Bodenoffensive ist in Stock geraten. Gegen gut organisierte ukrainische Kräfte kommt die schwerfällige russische Infanterie nicht voran. Um so größer ist der Frust. Und der entlädt sich in gezielten Raketenangriffen auf zivile Siedlungen. Und leider entlädt er sich auch in Terror, in Demütigungen, in Folter, in Vergewaltigungen und in wahllosen Morden.
Die Beweise gegen Kriegsverbrechen der Russen sind erdrückend, denn es ist nicht wahrscheinlich, daß die Ukrainer selbst ihre eigenen Leute erschossen und an den Wegesrand geworfen hätten. Es passt leider in das Bild des Kriegsverlaufes, wenn Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten von Putins Truppen bombardiert werden. Allein diese Grausamkeiten zeigen die hässliche Fratze dieses ebenso sinnlosen wie widerlichen Krieges, den man paradoxerweise nicht als solchen Benennen darf. Eine große Vaterländische Lüge stand zu Beginn und steht wohl auch am Ende des Massakers.
Beide Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig. Eine unabhängige Organisation muss aufklären ob tatsächlich Gräueltaten oder Inszenierung gemacht wurde. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Das ist leider der Punkt. Eine unabhängige Expertenkomission aus Gerichtsmedizinern, Forensikern und Gutachtern muss nun die Hintergründe des Massakers aufklären und die Beweismittel vor Ort schnell sichern. Bevor die näheren Umstände der Gräuel nicht aufgeklärt worden sind, ist bei der Verurteilung Vorsicht geboten. Hierzu bedarf es Aussagen von Zeugen, deren Aussagen mit den Bildern gabgeglichen werden müssen, um die tatsächliche Wahrheit herauszufinden.
Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering, aber es ist nicht auzuschließen, daß es ukrainische Soldaten gewesen sein könnten, die Unterstützer der Russischen Armee getötet haben. Ähnlich in den Niederlanden oder Frankreich nach der Befreiung durch die US-Armee im Zweiten Weltkrieg. Mit Verrätern wird im Krieg nicht unbedingt freundlich umgegangen.
Nach den ukrainischen Anschuldigungen gegen Russland ist unklar, ob und wie die Waffenstillstandsverhandlungen weitergehen werden. Zuvor hatte der ukrainische Verhandlungsführer David Arachamija im Fernsehen des Landes erklärt, ein zentrales Dokument zur künftigen Blockfreiheit sei so gut wie unterschriftsreif.

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