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Samstag, 29. Januar 2022

Über die allgemeine Versorgung mit Krankenhäusern

Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Gang einer Station

Ein kurzer Weg ins Krankenhaus kann Leben retten. Sollten also die kleinen und oft defizitären Kliniken in ländlichen Regionen erhalten werden? Oder braucht es weniger, aber dafür große, spezialisierte Häuser?

Patienten brauchen für die medizinische Versorgung ein qualitativ hochwertiges Krankenhaus, welches im Notfall schnell und sicher zu erreichen ist. Nicht die angebotenen Leistungen einer Krankenhausverwaltung sollten im Mittelpunkt stehen, sondern die Qualität der medizinischen Versorgung.

Dabei sollte stets die Qualität mit abgesicherter Routine im Vordergrund stehen, heißt, eine OP (Prozedur) sollte von einem erfahrenen Arzt durchgeführt oder beobachtet werden.
Hier spielt die Quantität der Operationen eine mit entscheidende Rolle für die Qualität. Je mehr Operationen in einem bestimmten Bereich (z.B. Kardiologie) erfolgreich durchgeführt werden, desto erfahrener der Operateur, was gut ist für den Patienten, weil es zur einer Fehlerminimierung beiträgt.

Jede Stadt sollte ein Krankenhaus zur Verfügung haben, und zwar als Versorgung der Allgemeinmedizin und auch Innere Medizin, und auch Urologie, und auch für Demenzerkrankte oder Alzheimererkrankte. Wie groß die jeweilige Station sein muss, müsste dann im Bedarfsfall jedes Krankenhaus ermitteln.

Das Land bzw. die ländliche Region braucht dabei eher Krankenhäuser nach Art einer Poliklinik mit erfahrenen Operateuren in vielen Bereichen, weil das spart Zeit und rettet Leben. Nicht jedes kleine Krankenhaus mit geringen Fallzahlen und Operationen ist mangels Erfahrung ein gutes Haus.

Können Patienten tatsächlich noch am deutschen Krankenhauswesen tatsächlich noch genesen? - Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist eben keine volks- bzw. betriebswirtschaftliche Diskussion sondern eine Diskussion darum, was uns Gesundheitsfürsorge Wert ist. Der Kardinalfehler war, Gesundheitsversorgung betriebswirtschaftlichen Maßstäben und Entscheidungsstrukturen zu unterwerfen und das hat uns in das Dilemma gebracht, dass nicht das geleistet weden kann, was wir brauchen während die dort Beschäftigten maximal ausgebeutet werden ohne Sinn für Nachhaltigkeit.

Man darf ein Krankenhaus ncht nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen. Es ist doch nicht hinnehmbar, daß beispielsweise in Corona-Zeiten die Zahl Intensivbetten kontinuierlich abgebaut wurden nur um dem jeweiligen Krankenhaus eine Auslastung an der Kapazitätsgrenze (und damit Mittelzufluss) zu garantieren. Hier sollte eine massive staatliche Unterstützung erfolgen die sich an den medizinischen Notwendigkeiten und nicht an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientiert.

Der turbokapitalistische Neoliberalismus hat überall seine Spuren hinterlassen - aber im Gesundheitswesen hat er überhaupt nichts verloren. Das heißt überhaupt nicht, dass man nicht gut wirtschaften sollte.

Freitag, 28. Januar 2022

Bundestag debattiert erstmals über allgemeine Impfpflicht



Im Bundestag ist zum ersten Mal über eine allgemeine Corona-Impfpflicht debattiert worden. Während viele Abgeordnete für eine solche Pflicht plädierten, sprachen sich andere für einen "Mittelweg" aus - oder lehnten das Vorhaben komplett ab.

Die Abgeordneten haben sich mit dem gebotenen Ernst der Frage nach einer allgemeinen Impfpflicht gestellt. Die Antwort darauf sollte nicht parteipolitisch motiviert sein. Entscheidend düfte sein, ob eine allgemeine Impfpflicht mit Blick auf die Pandemiesituation erforderlich, verhältnismäßig und zumutbar, mithin rechtmäßig ist. Der Freiheit der Ungeimpften steht die Freiheit der (mehrheitlich) Geimpften gegenüber, ein Stück weit ihr Leben - dank der Impfung - in Normalität führen zu können.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach hat Tacheles gesprochen. Es geht bei der Impfplicht nicht um Omikron sondern um eine neuere Variente die gefährlicher wie Delta werden könnte und gleichzeitig so ansteckend wie Omrikron.

Ich empfinde das eher als ständige Anpassung der Argumentation – nun an fiktive Szenarien. Herr Lauterbach ist immerhin so klug nicht so zu tun, als wenn sich mit der Impfpflicht irgend etwas an der Omikronwelle verändern liesse, die wie es scheint sowieso die halbe Bevölkerung erwischt und grundimmunisiert, wenn man sich die Infektionszahlen anderer Länder ansieht, die etwas voraus sind.

Samstag, 22. Januar 2022

Pierre Bourdieu 20. Todestag

Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu starb vor 20 Jahren am 23. Januar 2002 in Paris.Bordieu war ein französischer Soziologe und Sozialphilosoph. Er gehört zu den einflussreichsten Soziologen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts . Er schaffte den Aufstieg von einem jungen unbekannten Mann aus der Provinz bis in höchste Kreise der Gesellschaft von Paris.

Er besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte »Lycée Louis-le-Grand« nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der »École Normale Supérieure« durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der »Faculté des lettres« in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der »École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales«. Im selben Jahr begann er, die Reihe »Le sens commun beim Verlag Éditions de Minuit« herauszugeben und erhielt einen Lehrauftrag an der »Ècole Normale Supérieure«. Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Seit 1975 gab er die Forschungsreihe »Actes de la recherche en sciences sociales« heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France. 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die »Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique«. 1997 wurde dem Soziologen der »Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen« verliehen.

In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte »Esquisse d'une théorie de la pratique« (dt. »Entwurf einer Theorie der Praxis«, 1979).

In seinem wohl bekanntesten Buch »La distinction« (1979, dt. »Die feinen Unterschiede«, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen.

Mit »Le sens pratique« (dt. »Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft«, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. Ziel dieser Analysen ist es, die »Objektivierung zu objektivieren« und einen Fortschritt der Erkenntnis in der Sozialwissenschaft dadurch zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt.

Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer »Internationalen der Intellektuellen« auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift »Liber« sollte dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll.

Pierre Bourdieu wurde am 1. August 1930 in Denguin im Department Pyrénées Atlantiques geboren.

Literatur:

Die feinen UnterschiedeDie feinen Unterschiede von Pierre Bordieu

Das Gesundheitssystem gründlich überdenken

Die Corona-Krise sollte von den Verantworltlichen im Krankenhauswesen und der Politik als gute Möglichkeit angesehen und begriffen werden, den Zustand des Gesundheitswesens grundsätzlich zu überdenken, hat die Pandemie doch recht unbarmherzig die (verborgenen) Mängel und Schwachstellen im Gesundheitssystem offengelegt.

Es sollte uns als Menschen und Steuerzahlern herzlich egal sein, was Lobbyisten und Wirtschaftsbosse dazu sagen oder darüber denken: Krankenhäuser müssen wieder öffentlich-rechtlich finanziert werden, Privatinvestoren und Shareholder zurückgedrängt werden. Einheitlich hohe Standards müssen der Maßstab werden, und nicht, "was sich rechnet". So müssen viel mehr Personal ausgebildet und dann auch besser bezahlt werden. Übrigens: Das beginnt schon im Service, der heute in den meisten Krankenhäusern ausgelagert wurde. Natürlich - der Kosten wegen.

Eine Pandemie ist nun mal teuer, und das wird vermutlich nicht die letzte gewesen sein. Aber es muss uns herzlich egal sein, wie teuer das Gesundheitswesen ist.

Die fünfte Welle in der Corona-Krise


Die fünfte Welle in der Corona-Krise ist wie eine selbstgestellt Falle, in der die Politik blindlings hineingetappt und nun ohnmächtig ausgeliefert ist.

Was in der Pandemie fehlt, ist ein durchdachter Gegenentwurf. Der genaue Gegenentwurf dazu ist eine Verantwortungsvolle Polititk Zu den Grundzügen einer verantwortungsvollen Politik gehört vorausschauendes Verhalten. Die Politik hat sich durch Untätigkeit vieler Möglichketien beraubt, die jetzt noch hätte, wenn sie rechtzeitig gehandelt hätte, wie z.B. Impfzentren, höhere Intensivbetten-Kapazitäten, zusätzliche Einstellung von medizinischem Personal.

Die Impfquote von über 80 Prozent der Bevölkerung und das blinde Vertrauen auf dessen Genügen hat sich nicht als ausreichend gegen die Ausbreitung einer weiteren Corona-Welle herausgestellt. Europäische Länder mit höherer Impfquote haben niedrigere Infektionszahlen.

Die Konsequenzen dieser hausgemachten Misere werden vor allem diejenige ausbaden, die sich nicht haben impfen lassen.

Macrons Europa-Rede zur Sicherheitslage in Europa vor dem Europäischen Parlament

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor den Sternen der EU-Flagge.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will während des französischen EU-Ratsvorsitzes die Weichen für ein zukunftsfähiges, starkes und unabhängiges Europa stellen.

Europa verändert sich und mit ihr die Sicherheitslage - besonders im Osten. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat in seiner Rede vor dem Europäischen Parlament, in der er ein Plädoyer für Europas Sicherheit hielt, darauf deutlich Bezug genommen. Wo bei Macron im Hinblick auf Europa Sicherheit zur Sprache kommt, ist mit Sicherheit auch Sicherheit drin.

Europa sei in Gefahr wie seit Jahrzehnten nicht, sagte Macron, und dann versuchte er, mit einem ganz persönlichen Statement deutlich zu machen, wie sehr sich die Lage in Europa verändert hat.
"Ich bin 1977 geboren. Auf dem blutgetränkten Boden im Norden Frankreichs, auf dem ich aufgewachsen bin, bedeutete Europa Frieden." - Eine Selbstverständlichkeit sei das gewesen. Was der französische Präsident mit dem Ausflug in seine persönliche Geschichte sagen wollte, machte er auch klar: Seine Politiker-Generation müsse jetzt ganz konkret kämpfen, um die Sicherheit zu bewahren.

Macron machte sich erneut für das Normandie-Format stark. Frankreich werde zusammen mit Deutschland weitermachen, um eine politische Lösung im Ukraine-Konflikt zu suchen. Ob Paris Signale aus Moskau bekam, auf das Angebot einzugehen, ließ Macron offen - bisher hat der russische Präsident Wladimir Putin die Gespräche direkt mit Washington geführt.

Im Ukraine-Konflikt will Macron, dass die Europäer nicht an der Seitenlinie stehen. Sein Vorschlag: eine Initiative für eine neue Stabilitäts- und Sicherheitspolitik in Europa. Dabei fiel auf, wie oft Macron betonte, das müsse im Dialog mit Russland geschehen: "Die Sicherheit unseres Kontinents bedarf einer strategischen Wiederaufrüstung als Macht des Friedens und des Ausgleichs", sagte er und fügte hinzu, dazu zähle insbesondere der Dialog mit Russland. Offener Dialog sei nötig, gerade mit Blick auf "Destabilisierung, Einmischung und Manipulation".

Donnerstag, 20. Januar 2022

Macrons Europa-Rede vor dem Europäischen Parlament

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor den Sternen der EU-Flagge

Zum 1. Januar übenimmt Frankreich den Ratsvorsitz im Europöischen Parlament. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will während des französischen EU-Ratsvorsitzes die Weichen für ein zukunftsfähiges, starkes und unabhängiges Europa stellen.

Es gelte, die drei grossen Versprechen der Europäischen Union von Demokratie, Fortschritt und Frieden neu zu verankern, sagte Macron am Mittwoch im Europaparlament in Strassburg. Dazu müsse die Rechtsstaatlichkeit als Grundsatz in der EU verteidigt werden, ansonsten drohe die Rückkehr zu einer Willkür-Herrschaft.

Als aktuelle Herausforderungen benannte Macron den Klimawandel, die Digitalisierung sowie die Frage von Sicherheit und Frieden in Europa. Die EU müsse nicht bloss auf Krisen reagieren, sondern vorausschauend handeln und seine Zukunft nicht von Entscheidungen anderer Länder abhängig machen.

Frankreich hatte am 1. Januar den alle sechs Monate wechselnden Vorsitz im EU-Ministerrat übernommen und seine Ratspräsidentschaft unter das Motto Durchstart, Kraft und Partnerschaft gestellt.

Dienstag, 18. Januar 2022

Oxfam-Studie: Corona-Krise hat die weltweite soziale Ungleichheit verschärft



Die NGO Oxfam veröffentlicht traditionell Mitte Januar unmittelbar vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos seinen aktuellen Bericht, der auch in diesem Jahr nicht sonderlich erfreulich ausfällt, denn die Corona-Krise hat die soziale Ungleichheit weiter verschärft.

Die Corona-Krise hat die weltweite soziale Ungleichheit laut einer Untersuchung weiter verschärft. Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam beklagt dabei "die Profitlogik" der Wirtschaft in der Pandemie. Die Corona-Pandemie hat die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht. Die Organisation Oxfam fordert ein Gegensteuern der Regierungen weltweit. Auch in Deutschland sollten Vermögende stärker in die Pflicht genommen werden.

Die Corona-Pandemie verschärft soziale Ungleichheit weltweit. Zu diesem Schluss kommt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem Bericht, den sie kurz vor Beginn der digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums veröffentlich hat. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre zwischen März 2020 und November 2021 verdoppelt habe, lebten mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut. Oxfam forderte von den Regierungen weltweit, Konzerne und Superreiche zur Finanzierung sozialer Grunddienste stärker zu besteuern, für globale Impfgerechtigkeit zu sorgen und die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten.

Die Ungleichheit sei auch eine Frage von Leben und Tod, heißt es in dem Bericht. Schätzungsweise 17 Millionen Menschen seien an Covid-19 gestorben. Von ihnen könnten Millionen noch am Leben sein, wenn sie eine Impfung bekommen hätten. Der Oxfam-Bericht gibt unter anderem der ungerechten weltweiten Impfstoff-Verteilung die Schuld dafür. Die Vakzine müssten als öffentliches Gut behandelt werden, auch weil Regierungen ihre Entwicklung mit viel Steuergeld gefördert hätten, erklärt die Organisation.

Donnerstag, 13. Januar 2022

Habeck hat Energiewendeplan vorgestellt

Habeck stellt Energiewendeplan vor



Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat auf einer Pressekonferenz seinen Energiewendeplan vorgestellt. Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck drückt aufs Tempo: Bis Ende April will er umfassende Sofortmaßnahmen für mehr Klimaschutz auf den Weg bringen. Ein Kernpunkt ist offenbar die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.


Habeck will Deutschland mit einem ehrgeizigen Sofortprogramm und dem rasanten Ausbau erneuerbarer Energien wieder auf Klimakurs bringen. "Wir starten nicht auf der Ziellinie, sondern mit einem gehörigen Rückstand", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Berlin. Die Klimavorgaben von 2021 bis einschließlich 2023 würden wohl verfehlt. Daher werde die gesamte Regierung an zahlreichen Stellen ansetzen.

Die Energiewende ist eine gewaltige Herausforderung und große politische Aufgabe, die den Umbau des ganzen Energiesektors erfordert. "Es ist eine große politische Aufgabe. Aber eine, die für das Land eine enorme Chance bereitet." Man werde Planungen beschleunigen und wieder Innovationsland. "Wir sind voller Energie, die sich täglich erneuert, weil wir an diesem großen Projekt arbeiten können." Aus der Wirtschaft kam Zustimmung, aber auch die Warnung, die hohen Energiepreise nicht aus dem Blick zu verlieren. Die FDP betonte, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit müssten gewährleistet bleiben.

Deutschland hat sich international verpflichtet und unter der vorigen Regierung auch per Gesetz festgelegt, dass die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken müssen. Bis 2045 darf sogar praktisch gar kein Treibhausgas mehr ausgestoßen werden. Auf konkrete Instrumente dafür konnte sich die alte Regierung nicht mehr verständigen. Habeck sagte, nach derzeitigem Stand werde man mit den bisherigen Maßnahmen nur 50 Prozent Minderung bis 2030 erreichen.

Die Ampel-Regierung peilt daher einen Kohleausstieg schon 2030 an, will dafür das Ausbautempo von Wind- oder Solarenergie verdreifachen und bis dahin 15 Millionen Elektroautos auf die Straße bringen. Bis Ostern soll das Bundeskabinett dafür laut Habeck ein erstes großes Gesetzespaket beschließen, damit es nach Billigung in Bundestag und Bundesrat ab 2023 wirken kann.

Im Mittelpunkt des Planes steht der beschleunigte Neubau von Wind- und Solarkraftwerken. Bis 2030 soll die Solarkapazität auf 200 Gigawatt mehr als verdreifacht werden, was unter anderem durch eine Solarpflicht auf neuen Gewerbedächern erreicht werden soll. Für Hausneubauten soll es die Regel werden. Staatssekretär Patrick Graichen sagte Reuters, zunächst würde die Förderdauer für Investoren in Wind- und Solaranlagen wohl wie bisher bei 20 Jahre bleiben. Der Zeitraum würde so bis über 2040 hinaus reichen, wo praktisch keine fossilen Kraftwerke mehr laufen dürften.

Als besonders schwierig gilt der Ausbau der Windenergie an Land, der unter anderem wegen Widerstands von Anwohnern und Artenschützern zeitweise fast zum Erliegen kam. Schon 2023 sollen laut Habeck nun Windräder an Land mit einer Leistung von fünf Gigawatt ausgeschrieben werden. Das wäre etwa so viel wie in Rekordjahren in Deutschland. In den folgenden Jahren würden sich diese Mengen bis 2027 noch auf zehn Gigawatt verdoppeln. Bis 2030 sollen 100 Gigawatt Windkraft an Land installiert sein, mehr als doppelt so viel wie derzeit. Die Leistung von Offshore-Windkraft soll bis 2030 auf 30 Gigawatt steigen.

Für den Ausbau der Windkraft sollen 2 Prozent der Fläche Deutschlands reserviert werden, viermal so viel wie derzeit für Windräder zur Verfügung stehen. Wo zu restriktive Abstandsregeln dem entgegenstehen, sollen sie entfallen. In einem ersten Schritt sollen Einschränkungen wegen Radar- oder Funkanlagen abgemildert werden. Akzeptanzprobleme will Habeck im direkten Austausch mit Betroffenen verringern, aber auch durch Ertragsbeteiligungen für Anrainer und Kommunen.

Habeck räumte ein, dies werde Debatten unter anderem mit den Bundesländern aber auch mit dem Bundesumweltministerium geben. Um die Verfahren zu beschleunigen, soll ein "überragendes öffentliches Interesse" gesetzlich verankert werden. Habeck sagte, er sei offen dafür, dass nicht jedes Bundesland strikt 2 Prozent Fläche reservieren müsse. Es könne auch Abkommen geben, wonach ein Land mehr zur Verfügung stellt und dafür von einem anderen Land, das weniger leistet, an anderer Stelle eine Entschädigung bekommt.

Samstag, 8. Januar 2022

Kein grundlegender Wandel in der Politik zu erwarten

Abstimmung beim SPD-Parteitag

Ein grundlegender Wandel in der Politik wird es in diesem Land nicht geben. Begriffe wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, sozialer Ausgleich oder Chancengleichheit werden rein statistisch häufiger in den politischen Verlautbarungen vorkommen als bisher. Das wird es dann aber auch schon gewesen sein.

Der grundsätzliche Umbau, den unsere Gesellschaft bräuchte, wird nicht stattfinden, ja noch nicht einmal begonnen werden. Völlig Latte, wie die Protagonisten nun heißen.

Natürlich werden die Aufgabenschwerpunkte in den kommenden Jahren anders gesetzt werden müssen und manchen Bereiche wie die Digitalisierung, der Klimaschutz, aber auch die nachhaltige Fortschreibung der Rententhematik müssen stärker in den Fokus rücken. Eine wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Umgestaltung unseres Landes wäre jedoch nicht zielführend. Die Strukturen unseres Landes sind stabil und haben sich gerade auch in Krisenzeiten bewährt.

Der Wachstumsgott ist es, dem nicht nur die CDU und die FDP immer huldigten, sondern eben seit vielen Jahren auch die Sozialdemokraten. Diese Religion müsste überwunden werden, sonst wandeln wir für immer in diesem ausgetrockneten Flußbett.

Und ausgerechnet unter einem Kanzler Scholz soll das gelingen? Unter einer SPD, die fest daran glaubt, dass sogar soziale Gerechtigkeit, die man auf der Fahne hat, am besten durch Wirtschaftswachstum hergestellt wird?

Samstag, 1. Januar 2022

20 Jahre Euro-Einführung

20 Jahre Euro-Einführung

Vor 20 Jahren haben am 1. Januar 2002 haben 12 Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Euro als Bargeld eingeführt.

Die Einführung erfolgte in mehreren Schritten. Aus der ersten Idee einer im Jahr 1970 wurde im ersten Schritt ein Vertrag (Maastrichter Vertrag von 1992) und schließlich über verschiedene Schritte - die Errichtung des European Monetary Institutes 1994, der Festlegung der Wechselkurse 1999 und schließlich Euro-Einführung 1999 - eine gemeinsame Währung. Die Einführung beschränkte sich zunächst auf elektronische Buchungen und drei Jahre später – am 1. Januar 2002 – folgte das Euro-Bargeld.

Seit seiner Schaffung erwies sich der Euro als robuste Währung. Die Einführung wurde anfangs mit großer Skepsis betrachtet, gab es doch Vorbehalte hinsichtlich seiner Stablität und allgemeinen Akzeptanz. Heute ist der Euro für rund 340 Millionen Bürgerinnen und Bürger in 19 EU-Mitgliedstaaten das offizielle Zahlungsmittel und somit die zweitwichtigste Währung der Welt.