
Nach dem Staatsbegräbnis rücken für König Charles III. nun viele Baustellen in den Vordergrund: Modernisierung des Königshauses, Klima- und Umweltfragen, Knatsch in der Familie. Nicht gut, einem alten König soviel unerledigte Arbeit zu hinterlassen. Wenigstens hat er noch ein bisschen was geerbt, woran er vielleicht Freude haben wird. Auch die neue britische Regierung steht vor großen Aufgaben.
Die Monarchie, durch den Charme und die Authentizität der Queen Jahrzehnte lang am Leben erhalten, beginnt zu erodieren. Die Zeit von Glanz und Gloria wird dem Zeitgeist des Realismus weichen. Die beeindriuckenden Bilder rund um die Bestattung von Elisabeth II. hatten etwas märchenhaft-romantisches. Die Einzigartigkeit des Augenblicks spielgelte sich in seiner Vergänglichkeit.
Die Fußstapfen, welche die Queen hinterlässt, werden für ihren Nachfolger zu groß sein. Er wird die Krone reformieren und damit reduzieren müssen, um ihren Kernbestand und die entsprechende gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten. Er muss Themen, wie etwa den Kampf gegen den Klimawandel, besetzen, um nicht in die Rolle eines Statisten gedrängt zu werden. Eine schwere Bürde, die der Thronfolger da übernehmen muss, zumal der Brexit mit all seinen Folgen die Lebenssituation der Briten in den kommenden Jahren erschweren wird.
Charles III. verfügt über eine sehr große mediale Rechweite und kann Fragen von Reportern so beantworten, daß diese Fragen in der politischen Debatte entsprechendes Gewicht bekommen. Bloß weil das britische Staatsoberhaupt keine reale politische Macht hat, bedeutet das nicht, daß der eigentliche Souverän - das britische Volk - kein offenes Ohr für Sorgen hat, die sein Staatsoberhaupt in geeigneter Form kundtut und bei Wahlentscheidungen zu berücksichtigen - gerade wenn es Charles II schaffen sollte, von der britischen Bevölkerung respektiert zu werden.
Der König hat wortwörtlich das vorzulesen, was ihm die britische Regierung vorlegt. Sein Einspruchsrecht gegen von der Parlamentsmehrheit beschlossene Gesetze hat ein britischer Monarch seit dem frühen 18. Jahrhundert nicht mehr geltend gemacht.
Auch im Comonwealth gibt es für den neuen König und die Regierung viel zu tun, streben einige Staaten doch danach, den König nicht mehr als Oberhaupt des Staatenbundes anerkennen zu wollen - Bestrebungen, welchen den Briten kaum gefallen dürften.
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